Kurz gesagt. Ein Südbalkon hat im Frühling und Herbst bei freier Sicht fast den ganzen Tag Sonne, im Sommer etwa 9½ Stunden rund um die Mittagszeit und im Winter doppelt so viele Stunden wie ein Ost- oder Westbalkon. Ein Westbalkon hat die Sonne ab Mittag, im Juni bis etwa halb zehn abends. Ein Ostbalkon hat sie bis gegen Mittag, im Juni schon ab kurz vor fünf Uhr morgens. Ein Nordbalkon bekommt nur im Sommerhalbjahr am frühen Morgen und am Abend Sonne. Wie viel davon wirklich ankommt, hängt vom Haus gegenüber, deinem Stockwerk, Bäumen und dem Balkon über dir ab. Das kannst du für deine Adresse ausrechnen lassen.
Wie verläuft die Sonne über deinem Balkon?
In Deutschland geht die Sonne im Osten auf, erreicht genau im Süden ihren höchsten Stand und geht im Westen unter. Wie weit im Norden oder Süden sie auf- und untergeht, ändert sich im Lauf des Jahres stark. In Berlin:
| Tag | Sonnenaufgang | Mittagshöhe | Sonnenuntergang | Tageslicht |
|---|---|---|---|---|
| 21. März | Genau im Osten | Etwa 37° | Genau im Westen | Etwa 12 Stunden |
| 21. Juni | Nordosten (etwa 48°) | Etwa 61° | Nordwesten (etwa 312°) | Etwa 16¾ Stunden |
| 21. Dezember | Südosten (etwa 129°) | Etwa 14° | Südwesten (etwa 230°) | Etwa 7¾ Stunden |
Die Gradzahlen beim Auf- und Untergang sind Kompassrichtungen: 90° ist Osten, 180° Süden, 270° Westen.
Genau im Süden steht die Sonne nicht um 12 Uhr. In Berlin ist es im März gegen 12:15 Uhr so weit, in der Sommerzeit erst gegen 13:10 Uhr. Darum ist ein Westbalkon im Sommer ab etwa 13 Uhr sonnig, nicht ab 12.
Südbalkon, Westbalkon, Ostbalkon: die Stunden im Vergleich
Die Tabelle zeigt, wie viele Stunden die Sonne in Berlin an einem wolkenlosen Tag vor einer Wand steht, wenn nichts im Weg ist. Das ist die Obergrenze: Mehr Sonne kann ein Balkon in dieser Richtung an diesem Tag nicht bekommen.
| Balkon zeigt nach | 21. März | 21. Juni | 21. Dezember |
|---|---|---|---|
| Süden | 12,0 h (6:15 bis 18:15) | 9,4 h (8:25 bis 17:50) | 7,4 h (8:20 bis 15:45) |
| Südwesten | 8,6 h (9:40 bis 18:15) | 10,1 h (11:20 bis 21:25) | 7,1 h (8:45 bis 15:45) |
| Westen | 6,0 h (12:15 bis 18:15) | 8,3 h (13:10 bis 21:25) | 3,7 h (12:05 bis 15:45) |
| Osten | 6,0 h (6:15 bis 12:15) | 8,3 h (4:50 bis 13:05) | 3,7 h (8:20 bis 12:05) |
| Norden | 0 h | 7,2 h (4:50 bis 8:25 und 17:50 bis 21:25) | 0 h |
Drei Dinge fallen auf:
- Im Sommer hat ein Südbalkon nicht die meisten Stunden. Die Sonne geht im Nordosten auf und im Nordwesten unter und steht morgens und abends hinter der eigenen Hauswand. Dafür steht sie mittags hoch, und ein Südbalkon lässt sich leichter beschatten.
- Im Winter hat die Südseite die meiste Sonne. Süd, Südost und Südwest haben gut sieben Stunden, Ost und West je knapp vier, und zwar ausgerechnet die Stunden mit der tiefsten Sonne.
- Westen heißt Abendsonne. Im Juni bis etwa 21:25 Uhr, also genau dann, wenn die meisten auf dem Balkon sitzen. An Sommerabenden wird er dafür auch am heißesten.
Hamburg und München: was anders ist
Die Himmelsrichtungen verhalten sich überall in Deutschland gleich. Anders sind die Sonnenhöhe und die Tageslänge:
| Stadt | Mittagshöhe 21. Juni | Mittagshöhe 21. Dezember | Südbalkon 21. Dezember | Westbalkon 21. Juni |
|---|---|---|---|---|
| Hamburg | Etwa 60° | Etwa 13° | 7,2 h | 8,4 h, bis etwa 21:45 |
| Berlin | Etwa 61° | Etwa 14° | 7,4 h | 8,3 h, bis etwa 21:25 |
| München | Etwa 65° | Etwa 18° | 8,1 h | 7,9 h, bis etwa 21:10 |
In Hamburg sind die Sommerabende länger und die Wintersonne steht tiefer, sie verschwindet also leichter hinter dem Haus gegenüber. In München steht die Wintersonne gut 5° höher. Das reicht, um über manches Dach zu kommen, das in Hamburg den ganzen Dezember über Schatten wirft.
Was dir die Sonne nimmt
Die Stunden oben gelten bei freier Sicht. In der Stadt kommt davon fast nie alles an.
Das Haus gegenüber. Ein Gebäude nimmt dir die Sonne, solange sie tiefer steht als seine Dachkante, von deinem Fenster aus gesehen. Ein Beispiel für Berlin: gegenüber steht ein Haus mit 16 m Traufhöhe, 20 m entfernt. Am 21. Dezember steht die Sonne mittags bei 14°. Damit sie über dieses Dach kommt, darf das Haus höchstens etwa 5 m über dein Fenster ragen: Dein Fenster muss also auf etwa 11 m Höhe liegen, meist im 3. oder 4. Obergeschoss. Ist die Häuserzeile gegenüber durchgehend, kommt die Dezembersonne unterhalb dieser Höhe kaum an. Am 21. März (37°) reicht die Mittagssonne dagegen schon bis ins Erdgeschoss, knapp über das Dach hinweg.
Der Balkon über dir. Er wirkt wie der Schirm einer Mütze. Ist er 1,5 m tief, fällt sein Schatten im Juni mittags (Sonne bei 61°) etwa 2,7 m die Wand hinunter, also über die ganze Balkontür. Im Dezember (14°) sind es knapp 40 cm. Auf einem Südbalkon mit einem Balkon darüber ist es darum im Sommer mittags schattig und im Winter trotzdem sonnig.
Bäume. Laubbäume sind bei der Besichtigung im Februar kahl und im Juni dicht belaubt. Ein Laubbaum vor einem Westbalkon kann im Sommer einen großen Teil der Abendsonne schlucken.
Die Seitenwände. Eine Loggia oder eine Trennwand zum Nachbarbalkon schneidet morgens oder abends Sonne ab, je nachdem, auf welcher Seite sie steht.
Gibt es eine Vorschrift für die Sonne in der Wohnung?
Im Baurecht nicht. Die Landesbauordnungen schreiben für die Belichtung nur eine Mindestgröße der Fenster im Verhältnis zur Grundfläche des Raums vor. Für die Besonnung gibt es die europäische Norm DIN EN 17037. Sie bewertet einen Raum danach, wie viele Stunden Sonne an einem Stichtag zwischen dem 1. Februar und dem 21. März möglich sind: mindestens 1,5 Stunden (Stufe gering), 3 Stunden (mittel) oder 4 Stunden (hoch). Gezählt wird in Deutschland nur Sonne, die höher als 11° steht. Die ältere DIN 5034 verlangte 4 Stunden zur Tagundnachtgleiche. Eine Norm ist freiwillig, solange sie nicht im Vertrag vereinbart ist. Frag beim Neubau, ob es einen Besonnungsnachweis gibt und welche Stufe die Wohnung erreicht.
Zum Vergleich: Ein Ostbalkon in Berlin hat am 21. März bei freier Sicht 6 Stunden Sonne, davon etwa 4,8 Stunden über 11°.
Prüf deinen Balkon: So geht es mit dem Werkzeug
Das Werkzeug „Sonne an deinem Fenster“ zeigt, wie viele Stunden direkte Sonne ein Fenster an jedem Tag des Jahres bekommt, mit den Häusern, Bäumen und Hügeln, die sie verdecken. Andere Sonnen- und Schattenkarten zeigen, wo gerade Schatten fällt. Dieses Werkzeug rechnet die Stunden für ein bestimmtes Fenster in einem bestimmten Stockwerk aus, Monat für Monat.
- Adresse. Tipp deine Adresse in das Feld „Gib eine Adresse ein“. Schon beim Tippen kommen Vorschläge (Straße, Hausnummer, Ort).
- Wohnung und Stockwerk. Such dein Haus auf dem Satellitenbild. Grün markiert ist das Haus unter deiner Stecknadel; stimmt es nicht, tipp das richtige an. Dann „Ja, dieses“. Wähle Eine Wohnung (eine Etage des Hauses) und tipp die Ecken deiner Wohnung auf dem Dach an; Ecken und Wände rasten ein. Stell Geschosse, Dein Stockwerk und die Geschosshöhe ein. Fehlt dein Haus auf der Karte, tipp auf „Es fehlt auf der Karte, ich zeichne es“ und zeichne es.
- Fenster. Jede Außenwand deines Stockwerks trägt eine Beschriftung, zum Beispiel „Südwand · Sonnenseite“. Tipp die Balkonwand an und dann die Stelle, an der deine Balkontür ist. Liegt über deinem Balkon ein weiterer, zieh die graue Kugel heraus und stell die Balkontiefe auf die Tiefe des Balkons über dir. Dann Meine Sonne zeigen.
Was du dann liest:
- „direkte Sonne heute“: die Stunden direkter Sonne heute, und „Erste Sonne …, letzte …“: wann sie kommt und geht.
- „Stunden pro Tag, nach Monat“: zwölf Monatsbalken. So siehst du auf einen Blick, ob dein Balkon nur im Sommer Sonne hat.
- Als Tag wählst du Heute, Längster Tag, Kürzester Tag oder Genaues Datum. Für den Vergleich mit der DIN-Norm nimm einen Stichtag wie den 21. März.
- Klarer Himmel oder Mit Wolken: Mit Wolken siehst du die Stunden bei üblichem Wetter.
- „Was dir die Sonne nimmt“: beim Namen genannt, zum Beispiel das Gebäude im Süden, ein Baum im Osten oder der Balkon über dir, mit Monaten und Uhrzeiten.
- Unter Stimmt etwas nicht? kannst du eine Höhe ändern (Höhe korrigieren) oder ein fehlendes Haus (Gebäude hinzufügen) oder einen Baum (Baum hinzufügen) ergänzen. Danach zeigt ein kleines Schild, was sich ändert, zum Beispiel „-1 h 05 heute“. So siehst du, was ein geplanter Neubau gegenüber mit deiner Sonne macht.
- Link kopieren speichert alles im Link: Adresse, Wohnung, Stockwerk, Fenster, Datum und Uhrzeit.
Die Adresse geht an den Kartensuchdienst, damit er den Ort findet; gespeichert wird nichts.
Was das Werkzeug nicht kann
- Gerechnet, nicht gemessen. Die Stunden kommen aus Karten und dem Stand der Sonne, nicht aus einem Lichtmesser am Fenster.
- Gemessene Höhen nur in Berlin, Hamburg und München. Dort mit echten Dachformen. Im übrigen Deutschland sind die Gebäudehöhen geschätzt, und das Werkzeug sagt dir das.
- Neues fehlt. Häuser, die nach dem Stand der Kartendaten fertig wurden, fehlen, und die Bäume stammen aus Satellitenbildern von etwa 2017 bis 2019. Beides kannst du selbst ergänzen.
- Wetter ist ein Durchschnitt. „Mit Wolken“ ist ein Monatsmittel aus 2005 bis 2023, keine Vorhersage, etwa plus oder minus 10 bis 15 %.
- Nur Fenster. Es rechnet für die Glasfläche, nicht für den Balkonboden, einen Garten oder ein Dach mit Solarmodulen. Für den Balkon nimmst du die Balkontür.
- Kein Gutachten. Es ist kein DIN-Nachweis und kein Besonnungsgutachten.
- Kleinigkeiten fehlen: Fensterrahmen, getöntes Glas, die Dachform deines eigenen Hauses; Umrisse auf der Karte können um etwa einen Meter von der echten Wand abweichen.
Jetzt deinen Balkon prüfen: Adresse, Stockwerk, Balkontür, und die Stunden für jeden Monat sehen
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Häufige Fragen
Wie verläuft die Sonne? In Deutschland geht sie im Osten auf, erreicht im Süden ihren höchsten Stand und geht im Westen unter. Im Sommer geht sie im Nordosten auf und im Nordwesten unter und steht mittags hoch (in Berlin etwa 61°), im Winter geht sie im Südosten auf und im Südwesten unter und bleibt tief (etwa 14°).
Südbalkon oder Westbalkon? Ein Südbalkon hat übers Jahr die verlässlichste Sonne, im Winter mit Abstand die meiste, und lässt sich im Sommer leicht beschatten. Ein Westbalkon hat die Abendsonne, im Juni bis etwa halb zehn, wird aber an Sommerabenden heiß. Wer abends draußen sitzt, nimmt oft West; wer Wintersonne will, Süd.
Wann hat ein Ostbalkon Sonne? Vom Sonnenaufgang, bis die Sonne genau im Süden steht: in Berlin im Juni von etwa 4:50 bis 13:05 Uhr, im März von etwa 6:15 bis 12:15 Uhr, im Dezember von etwa 8:20 bis 12:05 Uhr, bei freier Sicht.
Welche Himmelsrichtung hat mein Balkon? Stell dich mit dem Kompass deines Handys an die Balkontür, weg von Metallgeländern, und prüf es auf der Karte. Im Werkzeug trägt jede Außenwand eine Beschriftung mit ihrer Richtung, zum Beispiel „Südwand · Sonnenseite“, und jedes Fenster seine Gradzahl.
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